OB-Kandidatin Celine Coldewe: “Frauen brauchen mehr Empowerment”

Celine Coldewe tritt bei den Kommunalwahlen für die Klimaliste als OB-Kandidatin in Düsseldorf an. Die 23-jährige Studentin der Medien- und Kulturwissenschaft engagiert sich in der Klimabewegung und hat im Wahlkampf viel über Düsseldorf, das politische System und sich selbst gelernt.

Das komplette Interview zum Hören:

Welche drei Dinge sollten die Wähler*innen über dich als Mensch wissen?
Sie sollten wissen, dass ich nicht Berufspolitikerin bin. Ich mache das nicht, weil ich unglaublich viel Spaß daran habe, sondern weil ich es als nötig ansehe und mir meiner politischen Verantwortung bewusst werden möchte.
Ich brenne schon länger für das Thema Klimaschutz und daher ist die Kandidatur für die Klimaliste die konsequente Fortführung meines bisherigen Engagements. Und die Wähler*innen sollten wissen, dass ich jung bin. 23 Jahre – ich finde, das bringt viele Vorteile mit sich.

Ein Journalist hat über dich geschrieben “Kandidatin blass wie ihre Liste”. Wie nimmst du die Berichterstattung über dich als junge Frau wahr?
Daran kann ich mich noch erinnern. Das war zu einer Zeit, als wir unser Programm noch nicht veröffentlicht hatten. Ich fand das ein bisschen seltsam, weil die Person auch nicht auf uns zu gekommen ist. Ein bittere Beigeschmack, ob der Vergleich auf mein Aussehen abzielt? Allgemein habe ich zum Teil mit schlimmeren Dingen gerechnet. Es wurde zwar auch von einem rechten Blatt schlechte Dinge über uns berichtet, aber eigentlich lief es meist ganz ok. Ich stelle mich nicht gerne offensiv ins Rampenlicht. Aber ich habe gemerkt, dass das unabhängig von den Inhalten und Fähigkeiten super wichtig für den Wahlkampf ist.

Welches Thema möchtest du in der Kommunalpolitik voranbringen?
Ich trete für die Klimaliste Düsseldorf an. Wir möchten an die vielen kommunalen Hebel rangehen, um CO2-neutral in Düsseldorf zu werden. Wir möchten vor allem, dass Düsseldorf sich seiner Verantwortung bewusst wird. Es ist eine moderne und fortschrittliche Stadt, die schuldenfrei ist und auch nicht diese ganzen Probleme mit extrem CO2-schädlichen Industrien bei sich hat. Deswegen kann Düsseldorf vorangehen und im Sinne der Klimagerechtigkeit handeln.

Ein Teil der Klimabewegung lehnt die parlamentarische Arbeit für sich ab. Wie reagieren die Umwelt-Aktivist*innen aus deinem Umfeld auf deine Kandidatur?
Unterschiedlich, viele unterstützen mich. Manche sagen mir auch: “Das ist nicht das, was wir für die Bewegung wollen. Aber du persönlich kannst das machen.” Im Endeffekt ist das ein Hebel. Der Druck muss überall weitergehen –  innerhalb und außerhalb bestehender Parteien und auf der Straße. Ich bin immer noch voll beim Klimaaktivismus dabei und finde es wichtig, dass es auch auf der Ebene weitergeht.

Wenn du nicht den Sprung ins Rathaus schaffst, wie möchtest du weiter die Stadt gestalten?
Ich hoffe doch, dass ein paar von meinen Kolleg*innen den Sprung in den Stadtrat schaffen. Die möchte ich dann unbedingt unterstützen – bei inhaltlicher Arbeit und bei Projekten, die man in der Stadt durchführen kann. Und ich bin auf jeden Fall dabei, den Protest auf die Straße zu tragen.

Was muss sich ändern, damit sich  mehr Frauen und junge Menschen in die Parlamente trauen?
Ich glaube, man muss mehr das Gefühl kriegen, dass man etwas erreichen kann. Gerade Frauen brauchen mehr Empowerment. So war das auch bei mir. Einer der Gründer der Klimaliste Düsseldorf hat mich ganz viel ermutigt. Ich habe mir erst einmal nicht diesen Raum nehmen wollen. Aber dann wurde mir gesagt: “Mach das, du kannst das!”

Was hast du bisher aus deinem politischen Engagement gelernt?
Ich habe gelernt, dass ich mich mehr einbringen kann und keine falsche Scheu zu haben brauche. Ich habe super viel über die Stadt Düsseldorf gelernt. Ich war für Interviews und Wahlstände in ganz vielen Stadtteilen und kenne Düsseldorf jetzt so viel besser. Das finde ich total schön. Und das politische System verstehe ich jetzt auch mehr. Und für mich habe ich auch viele Skills gelernt, die mich persönlich weiterbringen werden, auch wenn es mir darum eher sekundär geht.

Hinweis: Der Text ist gekürzt.

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