Sarah Geselbracht: “Ich habe einen hohen Gerechtigkeitssinn”

Kandidatin für Münster

Sarah Geselbracht, 45 Jahre, tritt bei den Kommunalwahlen für die Wähler*innen-Vereinigung “Münster Liste – bunt und international” an. Die gebürtige Münsteranerin hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und engagiert sich daher seit Jahren für preiswerten Wohnraum und demokratische Beteiligung in der Stadt.

Das komplette Interview zum Hören:

Welche drei Fakten sollten die Wähler*innen über dich als Mensch wissen?
Ich habe einen hohen Gerechtigkeitssinn. Ungerechtigkeiten machen mich sehr schnell, sehr wütend. Das zweite ist meine Kreativität, die mich auszeichnet. Das dritte, ich bin nicht ganz so spontan.
Aber dieser Gerechtigkeitssinn, der im Bedürfnis mündet, Dinge ändern zu wollen, ist sehr stark.

Du bist parteilos. Wie ist es zur Aufstellung für die Wähler*innen-Vereinigung gekommen?
Eigentlich bin ich im Vorstand vom “NieberDing e.V. − Wohnraum erhalten!”. Wir waren in der Nieberdingstraße Jahrzehnte vom Abriss bedroht. Dadurch bin ich in die Wohnraum-Aktivist*innen-Szene rein gekommen.
Wir haben dann vor 2,5 Jahren das Bündnis “Recht auf Stadt” gegründet und überlegt, was wir zur Kommunalwahl machen können, außer wieder eine Medienkampagne. Für uns war dann nur noch ein Schritt übrig – sich selbst aufzustellen als Wähler*innen-Vereinigung.

Was macht eure Liste so interessant? Was unterscheidet euch von etablierten Parteien?
Wir sind keine Partei, sondern eine Wähler*innen-Vereinigung. Gegründet sind wir aus Initiativen und wir möchten auch die Initiativen direkt aufgreifen – wie die Fahrrad-Initiativen, die Umwelt-Initiativen. Mit Gruppen wie Fridays For Future wollen wir eng zusammenarbeiten. Sie quasi von der Straße abholen und mit ihnen versuchen Politik zu gestalten.

Welches Thema möchtest du in der Kommunalpolitik voranbringen?
Für mich ist das Hauptthema die Wohnraumschaffung und günstige Mieten. Wir sind der Meinung, dass eine Rekommunalisierung des Wohnungsmarktes dringend erforderlich ist. Das ist mein Antrieb in den Rat einzuziehen.

Ihr seid sehr divers aufgestellt. Das ist sehr selten. Was muss sich ändern, damit sich noch mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund kommunalpolitisch beteiligen?
Wir haben versucht eine doppelte Parität aufzustellen – also männlich / weiblich sowie deutsch und mit Migrationsgeschichte. Das ist nicht immer so einfach. Menschen dahingehend zu motivieren, an der Kommunalpolitik teilzunehmen, da habe ich gar kein Patent. Aber wenn man sein Umfeld gestalten und verändern möchte, dann ist die Kommunalebene die erste und beste Ebene.

Was war für dich in den letzten Jahren ein Erfolg oder was hast du gelernt?
Gelernt habe ich einiges – natürlich auch, wie es vor und hinter den Kulissen der Politik vonstatten geht. Ein Erfolg? Das NieberDing ist schon durch die Straßenfeste berühmt. Seit Anfang der 2000er gibt es den Verein. Dass wir es gemeinsam geschafft haben, den Abriss abzuwenden – das ist ein großer Erfolg.

Hinweis: Der Text ist gekürzt.

Mehr zum Thema