Ngoc Gabriel: “Es geht nicht darum, politische Karrieren anzustreben”

Kandidatin Klima Freunde

Ngoc Gabriel tritt bei den Kommunalwahlen mit der Wähler*innengruppe “Klima Freunde” in Köln an. Die freiberufliche Transformationsdesignerin möchte, dass sich die Kommunalpolitik neu erfindet und mehr Menschen beteiligt.

Das komplette Interview zum Hören:

Was sollten die Wähler*innen über dich wissen?
Ich wohne in Köln mit meinem Mann und meinem kleinen Sohn. Der zweite Kleine ist gerade unterwegs. Ich bin ein Ninety Kid. Beruflich beschäftige ich mich mit der Mensch-Computer-Interaktion. Ich gestalte digitale Systeme, so dass sie möglichst effizient und zufriedenstellend Probleme lösen. Ich tanze gerne, mag es mich kreativ auszuleben und bin eher introvertiert. Für die Kölner Kommunalpolitik interessiere ich mich seit drei Jahren.

Wie schwer ist dir die Entscheidung gefallen, für die Kommunalwahl zu kandidieren?
Tatsächlich habe ich diese Frage lange vor mich her geschoben. Ich bin seit drei Jahren aktiv in der Wähler*innengruppe Klima Freunde (früher: Deine Freunde), bin jetzt auch das zweite Mal im Vorstand. Bis kurz vor der Aufstellungsversammlung habe ich nicht wirklich ernsthaft darüber nachgedacht. Auf der Veranstaltung war es dann so: Hättest du Lust auf Platz drei zu gehen für den Stadtrat? Und ich so: Ja, werde ich machen.

Was waren deine Bedenken?
Ich selbst strebe nicht an Politikerin zu sein. Das ist in der ganzen Gruppe der Vibe. Es geht nicht darum, politische Karrieren anzustreben, sondern die Kommunalpolitik als Hebel zu benutzen, um wirklich Veränderungen zu schaffen. Der Grund, warum ich das jetzt auch mache, ist vor allem Minderheiten nochmal zu repräsentieren bzw. vorzuleben, dass  Kommunalpolitik möglich ist und das es Spaß machen kann.

Was macht eure Liste so interessant? Was unterscheidet euch von etablierten Parteien?
Programmatisch sagen viele auf den ersten Blick, da sind gar nicht so viele Unterschiede. Ich finde, es ist ein riesen großer Unterschied, wenn man uns erlebt. Wir arbeiten sehr agil miteinander zusammen, sehr wertschätzend. Wir sind total offen und haben voll viel Spaß. Wir wissen, dass es ein Teil von Menschlichkeit und Nahbarkeit ist und das Politik so sein sollte. Uns macht aus, dass wir uns nicht so Struktur-konservativ an etwas halten, was nicht so sein muss.

Welches Thema möchtest du in der Kommunalpolitik voranbringen?
Die Fähigkeit zur Selbstreflexion, wie Kommunalpolitik selber gelebt und gemacht wird. Also auf methodischer Ebene, dass Kommunalpolitik sich neu erfindet und an sich arbeitet. Und Menschen abholt, die strukturell benachteiligt werden. Ich finde, es wird gar nicht thematisiert, wie machen wir das eigentlich? Im Prinzip möchten alle, dass es den Menschen besser geht und es unsere Kinder gut haben. Aber woran liegt es, dass es nicht klappt? Es wird zu wenig hinterfragt, wie man es macht.

Was muss sich ändern, damit sich noch mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund kommunalpolitisch beteiligen?
Ich würde sagen, es sind im Wesentlichen zwei Sachen. Zum einen müssen es Menschen vorleben, dass es geht und positive Geschichten davon erzählen und dadurch andere aktiv motivieren. Die zweite Sache ist, dass man auch parallel die systemischen, struktuellen Hürden verändert, die oftmals Frauen oder Nicht-Männer demotivieren mitzumachen. Das ist zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Kommunalpolitik. Wie ist das, wenn ich in Mutterschutz gehe und die Ratssitzungen 6 Stunden dauern? Kann ich dann mein Kind dort stillen? Allgemein wie vereinbare ich das mit meinem Alltag? All diese Sachen müsste man in Angriff nehmen, Alternativen schaffen und auch vorleben.

Wie sieht deine Utopie für Köln und andere Städte aus?
Es ist eine Stadt, die bewusst etwas für das Gemeinwohl tut. Die sich wieder bewusst wird, dass die Straßen vor der Haustür auch eigener Lebensraum ist, den man nutzen kann. Dadurch die Verantwortung und Motivation spürt, diesen Lebensraum selbst zu gestalten. Und dass es auch Infrastruktur dafür gibt, dass man eine breite Masse wirklich zufriedenstellend beteiligen kann. Die Straßen werden für Begegnung genutzt, für Hobbys. Die Menschen reden und leben miteinander. Alles ist lokal, regional und nachhaltig machbar. Eine  typische öko-soziale Utopie.

Hinweis: Der Text ist gekürzt.

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