Politische Partizipation im Koalitionsvertrag

Farbige Silhouetten

Die neue Bundesregierung möchte in den nächsten Jahren auch hinsichtlich politischer Partizipation aktiv werden. Was ist laut Koalitionsvertrag geplant und was fehlt?

Expertenkommission für Bürgerbeteiligung
Einige bejubeln schon den Weg zu bundesweiten Volksabstimmungen, doch der Koalitionsvertrag sieht lediglich die Einrichtung einer Expertenkommission vor. Diese soll zunächst Vorschläge erarbeiten, ob (!) und in welcher Form Elemente der Bürgerbeteiligung ergänzt werden können.

Beteiligungsplattform für Gesetzentwürfe
Fast beiläufig kündigt die Regierung unter dem Thema „Digitale Verwaltung“ eine Beteiligungsplattform für alle veröffentlichten Gesetzentwürfe der Bundesregierung an. Diese soll der transparenten Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Verbänden dienen. Wie die Plattform sich gestaltet und in welchem Umfang eine Partizipation möglich ist, bleibt leider unklar.

Inklusives Wahlrecht
Seit vielen Jahren fordern Selbsthilfe-Verbände und auch einige Parteien ein inklusives Wahlrecht. Laut Koalitionsvertrag möchte die zukünftige Regierung dem Bundestag empfehlen, die notwendigen Änderungen endlich umzusetzen. Damit könnten bei der nächsten Bundestagswahl auch Menschen mit Behinderung wählen, die eine rechtliche Betreuung in allen Angelegenheiten haben.

Was fehlt: Weg für ein Paritätsgesetz
Mit der Berliner Erklärung hatten zur Bundestagswahl 2017 viele Frauenverbände gemeinsame Forderungen für eine bessere Gleichstellung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen formuliert. Es wurde ein Paritätsgesetz gefordert, um den Frauenanteil im Bundestag zu erhöhen. Obwohl seit der Bundestagswahl sogar noch weniger Frauen im Parlament sitzen, möchte die neue Regierung laut Koalitionsvertrag weiterhin lediglich auf „bewährte politische Programme – wie das Helene-Weber-Kolleg“ setzen, um die politische Partizipation von Frauen zu steigern.

Auch wenn der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD eher eine Absichtserklärung als einen Ziel- und Maßnahmenplan darstellt, so müssen sich die verantwortlichen Akteurinnen und Akteure doch daran messen lassen. Viel haben sie hinsichtlich politischer Partizipation jedenfalls nicht umzusetzen.

Save the Date: Veranstaltungen zu Demokratie und Partizipation

Blick in den Hörsaal

Veranstaltungen bieten die Gelegenheit neue Informationen zu gewinnen, sich persönlich zu begegnen und sich über Ideen und Initiativen auszutauschen. Hier einige Termine und Veranstaltungshinweise für 2018 aus dem Themenfeld Demokratie & Partizipation.

Fachtagung „Verwaltung trifft Beteiligung“
Zwischen Amt und Bürgerinnen/Bürgern: Krisen und Chancen
Heinrich-Böll-Stiftung
01.-02. März 2018 in Berlin
Informationen und Anmeldung

Fachtagung „Wir müssen reden!“
Politische Teilhabe & Engagement für nachhaltige Entwicklung fördern
22.-23. März 2018 in Fulda
Informationen und Anmeldung

Omnibus für direkte Demokratie
Der Omnibus für direkte Demokratie steht auf dem Marktplatz einer Stadt und öffnet dort einen Gesprächsraum für die Idee der Volksabstimmung. Er startet am 13. April 2018 und ist fortan in ganz Deutschland unterwegs.
Informationen und Route

Netzwerk Bürgerbeteiligung – Netzwerktreffen 2018
Netzwerk Bürgerbeteiligung
15. Juni 2018 in Köln
Informationen und Anmeldung

Forum für Bürgerbeteiligung und kommunale Demokratie 2018
Stiftung Mitarbeit
14.–16. September 2018 in Loccum
Informationen und Anmeldung

Demokratie und Digitalisierung – Eindrücke vom BarCamp „Solidarität 4.0“

Barcamp-Session

Was hält eine Gesellschaft zusammen, in der Veränderungsdynamiken und Individualisierung zunehmen? Wie gestalten sich Lebens- und Arbeitsverhältnisse im digitalen Zeitalter? Wie steht es um die Kompromissfähigkeit als ein Grundprinzip demokratischer Entscheidungsfindung in den sozialen Medien? Auf dem BarCamp „Solidarität 4.0“ der Willi-Eichler-Akademie am 20. Januar 2018 in Köln haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diese und andere Fragen gestellt.

Gefährdet Digitalisierung die Demokratie?
Die Digitalisierung ist eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. Darüber herrscht schnell Einigkeit. Ob die Digitalisierung mehr Chancen als Risiken birgt, ist bereits strittig. Insbesondere die Diskussionskultur in den sozialen Medien wird durch Hassrede als unzumutbar angesehen. „Demokratie und Digitalisierung – Eindrücke vom BarCamp „Solidarität 4.0““ weiterlesen

5 Möglichkeiten, sich 2018 politisch zu beteiligen

Protestschild "we are better than this"

An der Gesellschaft teilzuhaben und sie mitzugestalten sind zentrale Elemente einer lebendigen Demokratie. Auf allen Ebenen von der Kommune bis zur Europäischen Union können verschiedene Formen der Partizipation die öffentliche Debatte und damit auch Entscheidungsprozesse beeinflussen. Hier sechs Möglichkeiten für politisches Engagement in 2018 und darüber hinaus:

Bei Debatten mitmischen
Probleme können nur gelöst werden, wenn sie bekannt sind und darüber gesprochen wird. Ob beim klassischen Stammtisch, in der Teeküche oder in den sozialen Medien – die öffentliche Debatte kann die politische Agenda beeinflussen. Konkret kann man auch den Politikerinnen und Politikern in Netzwerken wie Twitter folgen* und Feedback geben. Dabei sollte eine respektvolle, wertschätzende Kommunikation angestrebt werden.
*Der Politikberater Martin Fuchs erstellt und aktualisiert Listen von twitternden Abgeordneten.

An einer Demonstration teilnehmen
Demonstrationen machen gesellschaftliche Anliegen und soziale Bewegungen besonders gut sichtbar. Je mehr Menschen mobilisiert werden, desto wahrscheinlicher kommen die Forderungen auf die politische Agenda. Die erste große Demonstration 2018 wird anlässlich der Agrarministerkonferenz am 20. Januar unter dem Motto „Der Agrarindustrie die Stirn bieten!“ in Berlin stattfinden.

Petitionen unterstützen oder selbst eine Kampagne starten
Petitionen sind eine niedrigschwellige Form der Beteiligung. Digitale Plattformen machen es heutzutage einfach ein Anliegen zu unterstützen oder selbst Unterschriften zu sammeln. Zum Beispiel bei Change.org, die in Deutschland bereits 4,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer haben. Wer sich registriert, bekommt interessante Kampagnen per E-Mail vorgestellt und kann sie mit wenigen Klicks unterstützen. „5 Möglichkeiten, sich 2018 politisch zu beteiligen“ weiterlesen

Das Konzept „Bürgerparlament“

Das Institut für Wissenschaft, politische Bildung und gesellschaftliche Praxis e.V. (iWiPo) hat ein Konzept für die Einrichtung von Bürgerparlamenten veröffentlicht. Demnach bildet sich auf kommunaler Ebene ein Bürgerparlament aus 10 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung. Diese agieren ein Jahr, so dass in einem Zeitrahmen von zehn Jahren jede Bürgerin und jeder Bürger die Möglichkeit hat, in dieser Form die regionalen Belange mitzugestalten.
„Das Konzept „Bürgerparlament““ weiterlesen